Drei allochthone Vorkommen der Mauereidechse im Stadgebiet Dresden

In Dresden existieren drei allochthone (gebietsfremde) Vorkommen der Mauereidechse (Podarcis muralis). Die Tiere der einzelnen Populationen gehören jeweils unterschiedlichen Unterarten an. Das älteste Vorkommen befindet sich rechtselbisch in Loschwitz (auf der Karte Nr. 1), während die beiden jüngeren Vorkommen relativ weit entfernt davon auf der anderen Elbseite liegen (Nr. 2 und 3). Zwischen allen drei Populationen existiert zur Zeit keine Verbindung. Möglich ist aber, dass sich die Populationen 2 und 3 vermischen werden, da sie sich beide mit nur 2 km Entfernung am Fluss Weißeritz befinden.

Mauereidechsen Fundorte in Dresden

Kartenquelle: Themenstadtplan Dresden

Vorkommen 1 Loschwitz

Das Vorkommen in Loschwitz wurde erstmalig 1989 bemerkt, als bei Fachgruppenmitglied Rainer König einige Stadtgruppenmitglieder im Garten mit anwesend waren und dort plötzlich eine Mauereidechse auftauchte. Durch Nachforschungen stellte sich heraus, dass Anwohnern das Vorhandensein dieser Tiere schon lange bekannt war. Ihre Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Untersuchungen deuteten an, dass die Tiere möglicherweise schon um das Jahr 1900 oder sogar früher hier ausgesetzt wurden. Doch ein Artikel von Detlef Streitenberger im Elbhangkurier 9/2019 erwähnt eine spätere Aussetzung :

Es kann aber auch so sein, wie ein Nachbar erzählte: „Mein Schwiegervater, er besaß eine Gaststätte im Zentrum, erhielt im Jahr 1941 eine Weinlieferung aus Italien. In den Kisten waren auch Eidechsen, die ausgesetzt wurden und seitdem die Mauern des
Grundstückes an der Bergbahnstraße bevölkern“.

Die Mauereidechsen erwiesen sich als genetisch identisch mit einer Population von in Passau ausgesetzten Tieren. Genetisch handelt es sich bei diesen Mauereidechsen um Sonderfälle, „deren mitochondriale DNA mit der von Tieren aus der östlichen Poebene übereinstimmt (P. m. maculiventris), deren Färbungs- und Zeichnungsmuster aber mehr oder weniger mit P. m. nigriventris aus der Toskana identisch ist“. [1] Die Tiere sind auf dem Rücken überwiegend grün gefärbt. Die Männchen besitzen zur Bauchseite hin meist eine höhere Pigmentierung und somit einen höheren Schwarzanteil als die Weibchen, deren Bauchseite cremefarben oder weißlich gefärbt ist. Die Weibchen sind teilweise oberseits auch braun gefärbt.

1996 wurde eine 0,5 ha große Fläche an der Grundstraße zum Flächennaturdenkmal „Garten mit Trockenmauer, An der Berglehne“ erklärt, welches unter anderem auch dem Schutz der Mauereidechsenpopulation dienen sollte. Offensichtlich war diese Maßnahme erfolgreich, denn an der unterhalb dieser Grundstücke liegenden Tankstelle kann man an ihrer Hangmauer oft Mauereidechsen beobachten.

In Loschwitz fand man die Echsen zunächst nur auf der nördlichen Seite der Grundstraße. 2011 konnte von F. Böhm nachgewiesen werden, dass sie sich in westlicher Richtung weit am Elbufer entlang bis kurz vor die Waldschlösschenbrücke ausgebreitet hatten. Gute Bedingungen finden sie dort an den Mauern am Körnerweg und auf den darüber gelegenen Weinbergen. Dort lassen sie sich auch am besten beobachten. Vor allem auf dem Weinberg der Weingalerie Dr. Müller sind die Mauereidechsen sehr zahlreich vertreten. Bis zum Beginn der 1990er Jahre existierte dort auch eine kleine Population der Zauneidechse. Ob diese durch zunehmenden Bewuchs des Hanges, durch seine spätere Wiederbewirtschaftung oder durch Mauereidechsen erlosch, ist nicht geklärt. Da Mauereidechsen an der Stelle erstmalig 2010 gesichtet wurden, dürften sie als Ursache aber unwahrscheinlich sein.

Südlich der Grundstraße wurden die Tiere lange Zeit nie gefunden. Im Mai 2013 konnten Mauereidechsen aber auch dort nachgewiesen werden. Südöstlich der Grundstraße findet man sie vor allem entlang des Veilchenwegs sowie im gesamten Bereich unterhalb der Schwebebahn. Laut Auskünften von Anwohnern gibt es dort aber schon lange Eidechsen. Höchstwahrscheinlich dürfte es sich dabei um beobachtete Mauereidechsen handeln, da Vorkommen der Zaun- und Waldeidechse dort nicht bekannt sind.

Mauereidechse (Podarcis muralis), Habitat Dresden Körnerweg

Habitat, Mauer am Körnerweg (Elbufer unterhalb Lingnerschloss)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Mauereidechse (Podarcis muralis)

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Mauereidechse (Podarcis muralis)


Vorkommen 2 Plauen

Im Jahr 2014 wurde das zweite Vorkommen entdeckt. Es befindet sich am südlichen Rande des Stadtgebietes. In Plauen lebt eine noch nicht bestimmte andere Unterart an der Tharandter Straße. Woher die Tiere stammen, konnte noch nicht geklärt werden.

Felswand, Biotop für Mauereidechsen

Sommerhabitat

Mauereidechse (Podarcis muralis), Männchen

Mauereidechse (Podarcis muralis), Männchen

Mauereidechse (Podarcis muralis), Weibchen

Mauereidechse (Podarcis muralis), Weibchen

Mauereidechse (Podarcis muralis), Jungtier

Mauereidechse (Podarcis muralis), Jungtier

Habitat

Habitat

Habitat

Habitat


Vorkommen 3 Cotta

Erstmals erwähnt wurde diese Population, als 2014 im Dresdner Stadtteil Cotta der Pulvermühlenpark (auch „Stadtpark Pulvermühle“) neu gestaltet werden sollte. Bei der Planung stellte man fest, dass dort Mauereidechsen lebten. Auch hier ist ungeklärt, woher die Tiere stammen. 2017 konnte bei einer Begehung des Parks und der weiteren Umgebung beobachtet werden, dass sich die Tiere entlang des nahegelegenen Flusses Weißeritz mindestens einen Kilometer nach Süden ausgebreitet haben. Möglicherweise werden sie sich bei dieser Ausbreitung irgendwann mit der nur ca. 2 km entfernten Population in Plauen treffen. Da diese sich aber (noch) auf der anderen Seite des Flusses befindet, ist das nicht sicher.

Dresden Stadtpark Pulvermühle

Stadtpark Pulvermühle

Stadtpark Pulvermühle, Biotop Mauereidechse

Biotop

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Mauereidechse

Jungtier

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Text und Fotos (Loschwitz, Elbufer, Cotta): Frank Böhm

Fotos (Plauen): Uwe Prokoph

Quelle [1]:Allochthone Vorkommen der Mauereidechse (Podarcis muralis) in Deutschland“  SCHULTE, THIESMEIER, MAYER, SCHWEIGER in Zeitschrift für Feldherpetologie 15, 2008

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